Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: "Abwarten bis zur Abrechnung"
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - In einem vergleichsweise ruhigen Markt schließen sowohl Profis als auch Privatanleger ihre Short-Positionen - offenbar, um mit möglichst geringem Verlust auszusteigen, wie Goldberg vermutet. Könnte die zunehmend positive Marktstimmung bereits belastet sein?
26. März 2025. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung hat der DAX zwar eine bewegte Woche hinter sich, aber letztlich betrug das Handelsband gerade einmal (für dieses Jahr unterdurchschnittlich) rund 2,8 Prozent. Dass zwischendurch immer wieder volatile Phasen auftraten, mag unter anderem auch Donald Trump geschuldet sein, der zwar am 2. April unter den Namen "Liberation Day" umfassende Zölle ankündigen möchte, insbesondere für Handelspartner, denen er vorwirft, die USA "abzuzocken". Auf der anderen Seite werden Umfang und Art dieser Zölle vom US-Präsidenten immer wieder relativiert: Einmal soll es mehr, dann wieder, wie zuletzt zu vernehmen war, möglichst wenige Ausnahmen bei den Zollmaßnahmen geben.
Unter dem Strich bleibt jedoch festzuhalten, dass Versuche, den DAX markant nach oben zu bringen, immer wieder von den Börsianern abgeschmettert wurden, so dass seit unserer Erhebung vom vergangenen Mittwoch nur ein winziges temporäres Plus zu Buche schlägt, der folgende zwischenzeitliche Rücksetzer allerdings auch nicht Angst und Schrecken auslöste. Dennoch verliert das Börsenbarometer im Wochenvergleich 1,1 Prozent an Wert.
Verluste begrenzt
Unterdessen hat sich die Stimmung unter den von uns befragten institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche leicht verbessert. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +4 gestiegen. Und zwar in erster Linie, weil vormalige Bären den zeitweisen Rücksetzer des DAX zu Positionseindeckungen genutzt haben. Dies gilt für 5 Prozent der Befragten, wobei sich nur ganz wenige direkt auf die Bullenseite getraut haben. In erster Linie wahrscheinlich, weil die Rückkäufe der Bären den Charakter von Verlustbegrenzungen hatten - die meisten von ihnen gesellten sich zu den neutral gestimmten Akteuren.
Wesentlich deutlicher gestaltete sich das Votum bei den Privatanlegern. So stieg der Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Panel um 7 Punkte auf einen neuen Stand von +20 und erreichte damit den bisher höchsten Wert in diesem Jahr. Allerdings geht dieser Zuwachs fast vollumfänglich auf diejenigen Privatanlegenden zurück, die wir über Social Media befragen. Sie haben dafür gesorgt, dass vormalige Pessimisten (3 Prozent aller Befragten) ihre Engagements um 180 Grad von bearish auf bullish drehten - die übrigen Anlegenden zeigten sich gegenüber der Vorwoche nur minimal freundlicher eingestellt. Damit hat sich der Abstand zwischen den Social-Media-Teilnehmern und den übrigen Privatanlegern ein weiteres Mal vergrößert: Erstere sind wie schon so oft erheblich bullisher unterwegs.
Zögerlich und zurückhaltend
Nun hat sich auf den ersten Blick die Stimmungskluft zwischen institutionellen Investoren und Privatanlegern vergrößert. Klammert man allerdings die über Social Media befragte Gruppe aus, weisen beide Panels eine ähnliche Struktur auf und liegen stimmungstechnisch nicht weit auseinander. Damit zeigt sich in beiden Panels eine gewisse Zurückhaltung, sich womöglich vor dem vorgenannten "Liberation Day" und dem bevorstehen Quartalsende größer zu positionieren. Und was die institutionellen Investoren angeht, gibt es auch in der relativen Betrachtung auf drei und sechs Monate nur einen leichten Optimismus.
Unter dem Strich sind diese Positionierungen allerdings nicht dafür geeignet, einen größeren Trend in die eine oder andere Richtung auszulösen. Immerhin zeigt sich, dass die Optimisten mit ihren Engagements etwas besser aufgestellt sind als die verbliebenen Pessimisten, deren Nachfrage wir immer noch hauptsächlich im Bereich von 22.600/650 DAX-Zählern vermuten. Erstes Angebot aus bullishen Engagements vermuten wir auf der anderen Seite deutlicher im Bereich von 23.650/700 Zählern. Nach wie vor sind es jedoch die langfristig orientierten internationalen Kapitalströme, die im derzeit günstigen Umfeld für den DAX den nächsten größeren Trend lostreten dürften.
von Joachim Goldberg
26. März 2025, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
AXC0224 2025-03-26/16:25