Aktien Frankfurt: Dax gibt nach - Mit US-Autozöllen 'ist Katze aus dem Sack'
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax ist am Donnerstag
weiter gesunken. Mit einem Minus von 1,14 Prozent auf 22.578,34
Punkte konnte er seine hohen Verluste zum Start angesichts der von
US-Präsident Donald Trump angekündigten Autozölle etwas eindämmen.
Der deutsche Leitindex blieb aber unter der für den kurzfristigen
Trend wichtigen 21-Tage-Durchschnittslinie. Diese hatte ihm in der
Konsolidierung vom Rekordhoch bei 23.476 Punkten bis vor kurzem noch
Halt geboten.
Der MDax der mittelgroßen Unternehmen büßte zuletzt
1,38 Prozent auf 28.467,49 Punkte ein. Für den Eurozonen-Leitindex
EuroStoxx 50 ging es um 0,8 Prozent bergab.
Dass Trump zum 3. April die schon früher angedrohten
Auto-Importzölle in Kraft setzen will, sorge am deutschen
Aktienmarkt für Nervosität, schrieben die Experten der Landesbank
Helaba. Dazu kämen die stockenden Koalitionsgespräche in Berlin. Der
Broker Index Radar betonte indes, mit den nun verkündeten Autozöllen
"ist die Katze zumindest teilweise aus dem Sack". Dass die neuen
Zölle für Einfuhren aus Kanada und Mexiko nur auf den dort
geschaffenen Mehrwert erhoben würden, entlaste die deutschen
Autobauer etwas.
Im Dax belegten die Autotitel hintere Plätze. Porsche AG
, Mercedes-Benz , BMW und
Volkswagen verloren zwischen 2,3 und 4,5 Prozent.
Deutliche Kurseinbußen gab es auch beim Zulieferer und
Reifenhersteller Continental . Europaweit stand die
Branche ebenfalls unter Druck. Die Zölle sollen für
alle importierten Autos gelten - von Kleinwagen über Limousinen und
SUV bis zu leichten Nutzfahrzeugen.
Für BASF ging es um 2,8 Prozent bergab. Die US-Bank
JPMorgan sprach im Rahmen einer pessimistischen Neubeurteilung der
Branche ein negatives Votum für den Chemiekonzern aus. BASF
attestierte Analyst Chetan Udeshi eine vergleichsweise hohe
Bewertung.
Im Nebenwerte-Index SDax büßte der Fernsehkonzern
ProSiebenSat.1 11 Prozent ein. Zur Wochenmitte hatten
die Aktien noch von Berichten über ein mögliches Übernahmeangebot
des Konkurrenten und Großaktionärs MediaForEurope
profitiert. Diese betätigten sich. Allerdings wollen die Italiener
nur den gesetzlichen Mindestpreis bezahlen. "Das ist nicht das
Gebot, auf das die Bullen gehofft hatten", kommentierte
Warburg-Analyst Jörg Philipp Frey. Für die meisten Anleger sei die
nun erwartete Offerte unattraktiv.
Ansonsten stand am Donnerstag eine Flut an Geschäftszahlen
überwiegend aus der zweiten und dritten Börsenreihe auf der Agenda.
Rational führte mit minus 8,4 Prozent die
Verliererliste im MDax an. Die endgültigen Resultate des
Profiküchen-Ausrüsters stimmten mit den vorläufigen Eckdaten
überein, schrieb Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank. Die
Aktien seien aber sehr hoch bewertet. Dagegen profitierte der
Logistikdienstleister Jungheinrich mit plus 2,8
Prozent von einem erfreulichen Ausblick.
Im SDax zählten SMA Solar und Kontron
mit ProsiebenSat.1 zu den größten Verlierern. Beim
Wechselrichter-Hersteller SMA monierten Börsianer einen nur
teilweise überzeugenden Auftragseingang. Die Aktien sackten um 9,6
Prozent ab.
Derweil hatten die 5,9 Prozent schwächeren Titel des
Technologiekonzerns Kontron, der seine Dividende erhöhte,
vorbörslich noch klar angezogen. Jefferies-Analyst Martin Comtesse
sprach von einem enttäuschenden Wachstum im Schlussquartal. Er sieht
zudem das für 2025 angepeilte operative Ergebnis (Ebitda) von
mindestens 220 Millionen Euro unter der Konsensschätzung.
Dagegen eroberte Vossloh mit plus 6,8 Prozent die
Indexspitze. Der Profiteur des deutschen Infrastrukturprogramms
überzeugte mit soliden Zahlen und einem rekordhohen Auftragseingang.
"Der Ausblick lässt noch Überraschungspotenzial", kommentierte
Baader-Expertin Zana Mamelli./gl/jha/